Der Rothirsch ist zweifellos eines der größten freilebenden heimischen Wildarten und wird oft als „König des Waldes“ bezeichnet, obwohl diese Bezeichnung eigentlich nicht ganz korrekt ist. Ursprünglich bewohnte das Rotwild vor allem offene Steppenlandschaften. Aufgrund der zunehmenden menschlichen Besiedlung und Landnutzung wurde es jedoch nach und nach in Wälder gedrängt, wo es sich an die neuen Lebensbedingungen anpasste. Rotwild lebt gesellig in, nach Geschlechter getrennten, Kahlwild- und Hirschrudeln.
Heutzutage wird der Lebensraum des Rothirsches immer knapper. Der fortschreitende Straßenbau und die Ausbreitung der intensiven Landwirtschaft führen zu einer stetigen Verkleinerung der Lebensräume des Rotwilds. Die zunehmende Fragmentierung der Wälder und die Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßen stellen ernsthafte Herausforderungen für die Populationen des Rothirsches dar.
Die Bezeichnung als „König des Waldes“ mag historisch begründet sein, spiegelt jedoch nicht mehr die Realität wider, da der Rothirsch nicht mehr ausschließlich in Wäldern lebt. Vielmehr ist er ein Symbol für die zunehmenden Herausforderungen, denen viele Wildtierarten in einer sich schnell verändernden Welt gegenüberstehen. Es ist daher wichtig, Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der Lebensräume des Rothirsches zu ergreifen, um sein Überleben langfristig zu sichern.
| Hirsch, Rothirsch | Männliche Tiere |
|---|---|
| Tier, Kahlwild | Weibliche Tiere |
| Kalb (Hirschkalb/Tierkalb) | Jungtier bis zum 31.03. des 1. Lebensjahres |
| Schmalspießer (1. Kopf) | Männliches Rotwild im 2. Lebensjahr |
| Schmaltier/Schmalstück | Weibliches Rotwild im 2. Lebensjahr |
| Alttier | Über zweijähriges weibliches Stück bei Rotwild. |
Das sind die Kennzeichen des Rothirsch
In der Jägersprache wird die Art des Rothirsches oft einfach als Rotwild bezeichnet. Männliche Tiere, auch Hirsche genannt, erreichen in Europa ein Lebendgewicht von bis zu 250 kg, während weibliche Tiere, Hirschkühe genannt, deutlich weniger wiegen. Die Schulterhöhe eines Hirsches kann bis zu 150 cm betragen, während sie bei einem weiblichen Tier bis zu 120 cm beträgt.
Das Sommerfell des Rothirsches ist rotbraun, was auch der Namensgebung Rothirsch zugrunde liegt, während das Winterfell dunkelgrau bis braungrau ist. Zu Beginn der Paarungszeit im September tragen ältere Hirsche eine mächtige Brunftmähne am Hals, die sie beim Haarwechsel im Frühjahr wieder verlieren.
Rothirsche tragen ein Geweih, das bis zu 15 kg schwer werden kann. Dieses wird Ende Februar bis April abgeworfen und bis zum Frühherbst wieder komplett aufgebaut. Das Geweih wird im Juni/Juli gefegt, was bedeutet, dass Hirsche dann die fellähnliche Haut, den sogenannten Bast, der das Geweih zur Nährstoffversorgung während des Wachstums umhüllt, an Stämmen und Zweigen abreiben.
Hirschkühe tragen wie die Kälber kein Geweih, weshalb sie auch als Kahlwild bezeichnet werden.
Hier lebt der Rothirsch
Der Rothirsch gehört zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla), zur Unterordnung der Wiederkäuer (Ruminantia) und zur Familie der Hirsche (Cervidae), genauer gesagt zur Unterfamilie der echten Hirsche (Cervinae).
Sein natürlicher Lebensraum erstreckt sich über Europa, Zentral- und Westasien sowie Nordafrika. Besonders rothirschreiche Länder in Europa sind Großbritannien, insbesondere Schottland, Deutschland, Österreich und Spanien.
In einigen Bundesländern Deutschlands ist der Rothirsch gesetzlich geschützt und darf nur in behördlich festgelegten Gebieten, den sogenannten Rotwildbezirken, vorkommen. Außerhalb dieser Gebiete gilt teilweise ein strenges Abschussgebot. Der Rothirsch darf per Gesetz in einigen Bundesländern Deutschlands nur in behördlich festgelegten Gebiete, den sogenannten Rotwildbezirken, vorkommen. Außerhalb dieser Gebiete gilt zum Teil ein strenges Abschussgebot.
Nach dem Elch ist der Rothirsch die größte Hirschart Europas und spielt eine bedeutende Rolle in den Ökosystemen, in denen er lebt.
So unterscheiden sich die Cerviden
Das Rehwild:
Kleinste Hirschart (Trughirsch) mit einer Schulterhöhe von ca. 55 bis 85 cm. Sie zählen zum sogenannten Schlüpfertypus, die Kruppe liegt höher als der Widerrist.
Das Rotwild:
Zählt zu den echten Hirschen, Schulterhöhe von 120 bis 150 cm, Hirsche können bis zu 250 kg Lebendgewicht erreichen, besonders ist ihr rotbraunes Sommerkleid.
Das Damwild:
Leichter als der Rothirsch mit eine Schulterhöhe von 80 bis 100 cm, sie sind leicht an ihrem weiß gefleckten Sommerkleid zu erkennen.
Die Nahrung des Rothirsch
Der Rothirsch ist ein äußerst anpassungsfähiger Pflanzenfresser und zählt zum sogenannten intermediären Äsungstyp. Das bedeutet, dass er sich gut an die verfügbare Nahrung und die sich verändernde Zusammensetzung der Nahrung anpassen kann. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Wildgräsern, -kräutern, Sträuchern, Beeren und Obst. Bei Gelegenheit nimmt er auch gerne Knospen, Triebe und Blätter von Bäumen zu sich. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen kann der Rothirsch auch Feldfrüchte fressen.
Im Sommer sucht der Rothirsch gezielt nach eiweißreicher, rohfaserarmer Nahrung wie Kräutern, um seinen Bedarf an Nährstoffen zu decken.
Während der Wintermonate reduziert der Rothirsch seine Nahrungsaufnahme, da sein Stoffwechsel aufgrund der niedrigen Temperaturen und des geringeren Energiebedarfs gedrosselt ist. Ein zu hoher Eiweißanteil in der Nahrung kann sich negativ auf diesen reduzierten Stoffwechsel auswirken.
Als Wiederkäuer besitzt der Rothirsch einen vierkammerigen Magen, bestehend aus Labmagen, Netzmagen, Pansen und Blättermagen. Um die Magenfüllung zu sichern und seinem physiologischen Bedürfnis nach Wiederkäuen gerecht zu werden, nimmt der Rothirsch während des Tages etwa 5-8 Mal Nahrung auf.
Was ist beim Rothirsch gut entwickelt?
Der Rothirsch verfügt über gut entwickelte Sinnesleistungen, insbesondere in Bezug auf Geruch und Gehör. Während der Paarungszeit, der Brunft, ist das typische Röhren der Hirsche zu hören, ein markantes und lautes Geräusch, das oft weithin zu hören ist. Ausgewachsene Rothirsche geben bei Beunruhigung oft einen bellenden Laut von sich, der als Warnsignal dient.
Rothirschkälber und ihre Mütter kommunizieren unter anderem durch einen leisen Lockruf, der dazu dient, Kontakt zu halten und sich im Revier zu orientieren. Diese Lautäußerungen sind wichtige Mittel der Kommunikation innerhalb der Rothirschpopulation und tragen zur sozialen Organisation und zum Zusammenhalt bei.
Die Fortpflanzung und Lebensart des Rotwildes
Das Rotwild, als reiner Pflanzenfresser, richtet seinen Aktivitätsrhythmus nach der Dauer der Nahrungsaufnahme und des Wiederkäuens aus. Alle anderen Aktivitäten sind in diesen Tagesablauf, der aus Äsen (Fressen) und Wiederkäuen besteht, eingebunden. Aufgrund seiner ausgeprägten Sinnesleistungen reagiert das Rotwild empfindlich auf menschliche Störungen.
Die Paarungszeit des Rotwildes findet in Mitteleuropa im September und Oktober statt. Die Tragzeit beträgt etwa 8 ½ Monate, und die meisten Kälber werden Ende Mai oder Anfang Juni geboren. Die Kälber tragen ein hellgeflecktes Tarnkleid und verhalten sich bei Gefahr reglos, um nicht entdeckt zu werden.
Rotwild lebt sehr gesellig, jedoch getrennt nach Geschlechtern, außerhalb der Brunftzeit: Die Hirsche bilden bis zur Brunft im Hirschrudel, während alte Hirsche auch allein leben. Hirschkühe und ihre Kälber sowie die Jungtiere des Vorjahres (Spießer und Schmaltiere) bilden das Kahlwildrudel.
Während der Brunft versammeln sich die Hirsche an den Brunftplätzen, die meist von den Hirschkühen ausgewählt werden. Die Platzhirsche sind dann damit beschäftigt, die Hirschkühe gegen Rivalen zu verteidigen, um sich mit möglichst vielen von ihnen zu paaren. Zwischen ebenbürtigen Gegnern kann es zu heftigen Kämpfen kommen, während schwächere Hirsche durch Drohrituale abgeschreckt werden.
Gefahren für das Rotwild
Das Rotwild steht verschiedenen Gefahren gegenüber, darunter natürliche Feinde wie der Wolf, der Luchs und der Bär. Heutzutage sind jedoch die Zerschneidung und Zerstörung der Lebensräume durch Verkehrswege und menschliche Siedlungen die größte Bedrohung für das Rotwild. Dies erschwert natürliche Wanderungen und die notwendige Vermischung des Erbgutes zwischen den Beständen, teilweise aufgrund der Rotwildbezirkspolitik.
Mit dem Einsetzen des Schneefalls zieht sich das Rotwild in tiefere Gebiete zurück, insbesondere in Flussauen, sofern diese noch vorhanden sind. Die Bebauung der Talauen hat jedoch zum Verlust nahrungsreicher Überwinterungsgebiete geführt. In vielen Bereichen wird das Rotwild vom Menschen gefüttert, oft auch mit dem Ziel, Wildschäden an der Waldvegetation zu vermeiden.
Ungünstige, nasskalte Witterung, Krankheiten und Verkehrsunfälle sind weitere Gefahren, denen das Rotwild ausgesetzt ist, insbesondere unter den Kälbern, die besonders anfällig sind.
Das Rotwild im Bundesjagdgesetz
Jagdzeit
- Kälber: 1. August – 28. Februar
- Schmalspießer: 1. Juni – 28. Februar
- Schmaltiere: 1. Juni – 30. Januar
- Hirsche und Alttiere: 1. September – 30. Januar
Quellen:
jagdverband.de
Fotos: https://pixabay.com/de/photos/tierwelt-natur-s%C3%A4ugetier-tier-3128367/, https://pixabay.com/de/photos/reh-gefleckt-braun-natur-hirschkuh-1133924/, https://pixabay.com/de/photos/reh-hirsch-tier-rogen-1367182/, https://pixabay.com/de/photos/tiere-hirschkuh-portrait-waldtier-3031568/






